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Was meinen wir, wenn wir ‘Antisemitismus’ sagen?

von Dr. Brian Klug 

 

Aus seinem Vortrag: What Do We Mean When We Say ‘Antisemitism’? -

 

Echoes of shattering glass - am 08.11.2013

 

Übersetzung: Katja Schickel

 










[…] Antisemitismus kommt nicht immer daher mit Schlägertrupps und Rowdies, die Geschäfte und Synagogen zertrümmern und Menschen auf der Straße ermorden. Er trägt nicht immer den Hass auf der Zunge. Leider hat er mit den Jahren auch nicht nachgelassen. Der Titel dieser Konferenz lautet: Antisemitismus im heutigen Europa: Erscheinungsweisen, Konflikte. Im heutigen Europa wird keine neue Shoah vorbereitet, und dennoch wird niemand mit Sinn für Geschichte bezweifeln, dass der Brunnen des Antisemitismus tief ist. Und er ist bis jetzt nicht ausgetrocknet. Er ist mitten unter uns, im Hier und Jetzt.

Europa Heute: Was bedeutet das genau? Vor einigen Jahren nahm ich an einer Konferenz in Berlin teil mit einem ähnlichen Titel: Antisemitismus Heute: Ein europäischer Vergleich. Nach diversen Podien wurde schnell deutlich, dass Europa nicht homogen ist: Es ist eben nicht nur ein Ort. Beispielsweise war das französische Podium sehr besorgt über eine Serie von Angriffen auf Juden, ausgeübt von jungen Männern nordafrikanischer Herkunft. Dies wiederum war für die polnische Fraktion kein wirklich drängendes Problem.

Europa besteht aus ungefähr fünfzig Ländern. In jedem Land gibt es unterschiedliche Debatten über Antisemitismus: Unterschiedliche Debatten, aber nur ein einziges Wort. Was mich zu meinem Thema bringt: Was meinen wir, wenn wir von ‘Antisemitismus’ sprechen? Wissen wir, was wir meinen? Ist das von Bedeutung? Das Wort ist wichtig, weil die Sache wichtig ist. Es spielt eine Rolle, denn wir reden aneinander vorbei, wenn wir das Wort nicht in derselben Weise benutzen. Es ist bedeutsam, weil wir eine Sozialpolitik entwickeln wollen, die Feindlichkeit gegenüber Minderheiten reduziert, und deshalb müssen wir versuchen, die verschiedenen Formen der Feindlichkeit auseinanderzuhalten: Fremdenhass, Nationalismus, Einwanderungsgegnerschaft, Antisemitismus und andere Formen des Rassismus. Es ist wichtig, weil Sozialstatistik wichtig ist, denn wir erhalten keine gültigen und zuverlässigen Daten über antisemitische Zwischenfälle oder antisemitische Haltungen, wenn wir nicht wissen, was ‘antisemitisch’ eigentlich meint. Schließlich ist das Wort bedeutsam, weil es voller Geschichte ist, in der das Geräusch von zerschmettertem Glas nachhallt. Im Ergebnis ist es nicht nur ein schwieriges Wort, sondern auch ein gefährliches, denn es kann verletzen, wenn es missbraucht wird. Ja, es ist ein Label, ein Name für etwas, das man benennen und anprangern muss. Aber die Bezeichnung kann zur Beleidigung werden, wenn sie aufs falsche Revers geheftet wird. Antisemitismus wurde zurecht ein ‘Monster’ genannt.2 Aber fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt zu werden, ist auch ungeheuerlich. Aus all diesen Gründen und anderen bedeutet das Wort sehr viel.

Wichtig bei diesem Wort – wie bei jedem anderen – ist seine Bedeutung. Und, wie Wittgenstein in seinem philosophischen Werk immer wieder betont, ein Wort führt in vielen Fällen nicht unbedingt zu seiner Bedeutung. Er schreibt: „… Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“3 ‘Antisemitismus’ fällt in diese Kategorie. Es ist ein gutes Beispiel, wie ein Wort sich verselbständigen kann. Antisemitismus ist ein Begriff, der in einer besonderen Epoche an einem bestimmten Ort aufkommt – in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – durch Leute, die der jüdischen Präsenz in Europa feindlich gegenüberstanden.
Neue Begriffe entstehen aus einem Grund heraus. In diesem Falle sollte es einen Abschied vom alten Hass auf Juden mit seinem ordinären Namen Judenhass markieren. Der neue Terminus war ein ausgefallenes Wort für eine säkularisierte Idee, das den Stand der Wissenschaften zu dieser Zeit widerspiegeln sollte, vor allem der sogenannten Wissenschaft der Rasse (science of race). Rassisches Gedankengut war das Fundament des völkischen Nationalismus, der im Kommen war (und natürlich zum Nazismus führte). Der Begriff ‘Antisemitismus’ war anfangs also verknüpft mit einer sehr spezifischen Gegebenheit: einer biologischen Konzeption von jüdischer Identität einerseits und einer, in einer Rassenideologie verwurzelten, politischen Bewegung andererseits. Aber, trotzdem einige Wissenschaftler den Begriff lieber unter Verschluss halten wollten, floh das Wort in die Welt. Heutzutage, in seinem üblichen alltäglichen Gebrauch, umfasst ‘Antisemitismus’ ein breites Spektrum von Haltungen und Aktionen gegenüber Juden, egal ob sich diese Handlungen und Verhaltensweisen auf einen biologischen Rassismus gründen oder nicht. Darüber hinaus verbindet die Reichweite des Wortes jetzt die Jahrhunderte miteinander: wir sprechen von Antisemitismus in der Antike und vom heutigen Antisemitismus. ‘Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache’, und so kam es zu seiner Anwendung. Es ist zu spät für ein Komitee von Akademikern, gegen seine breiter gefächerte Bedeutung Einspruch zu erheben – oder stattdessen durch einen Begriff zu ersetzen, den sie bevorzugen würden (einer etwa wie ‘Judeophobie’).

Die Frage ist: Was machen wir mit dem Wort, und nehmen wir es ernst? [...] Tatsächlich neigen Gefühle bei diesem Thema leicht dazu, mit einem durchzugehen. Und vielleicht sollen sie das auch. Aber manchmal gleicht der Streit über Antisemitismus mehr einer Stammtisch-Rangelei als einer zivilisierte Debatte. Wir brauchen sowohl Licht als auch Hitze. In diesem Vortrag möchte ich lediglich mit einer Sache beginnen: das Licht andrehen, die Begrifflichkeit klären. Das heißt, ich beabsichtige nicht über die Gründe und das Ausmaß von Antisemitismus zu diskutieren. Ich kann gerade mal die verschiedenen Formen, die Antisemitismus annimmt, streifen.

Und erst gegen Ende möchte ich kurz ansprechen, welchen Platz Antisemitismus in diesem ausgedehnten Bild des Rassismus in Europa einnimmt. Ich werde mich natürlich von Zeit zu Zeit auf Fakten beziehen, aber nur um eine Sache zu illustrieren. Und, als Philosoph, wird das, was ich illustrieren möchte, eher logisch oder konzeptionell als empirisch sein. Es soll auch nicht politisch sein. Wie alle habe auch ich meine politischen Ansichten. Aber mein Ziel bei diesem Vortrag ist, aus der politischen Arena zu treten und einen Rahmen für die Analyse anzubieten. Ich hoffe, dass diese Struktur für andere Menschen nützlich ist, die wie ich im Wort ‘Antisemitismus’ noch das Echo des zerbrochenen Glases hören.


Eine Fahrt in einem Londoner Bus

Also, was meinen wir, wenn wir ‘Antisemitismus’ sagen? Um die Fragestellung besser durchspielen zu können, habe ich mir ein Ensemble von Charakteren ausgedacht und mitgebracht, die zusammengewürfelt in einem Londoner Doppeldecker-Bus sitzen: Bus Nummer 73, dessen Route durch den multikulturellen Hackney-Bezirk führt.4 Abgesehen davon, dass ich dort lebe, liegt in Hackney auch der Stadtteil Stamford Hill, der die Heimat der größten Population von Haredi, streng orthodoxen Juden in Europa ist.

Die Besetzung besteht aus drei Charakteren: Lucy (die nicht-jüdische Schaffnerin), Rabbi Cohen (ein strenggläubiger Fahrgast) und Mrs. Goldstein (eine jüdische Zuschauerin, ebenfalls Fahrgast). Wir stellen fünf Szenen vor, und in jeder einzelnen wird Lucy Rabbi Cohen aus ihrem Bus werfen. Mit jeder Szene berühren wir die Frage: Verhält sie sich antisemitisch oder nicht?

Beginnen wir mit einer einfachen Arbeitsdefinition: Antisemitismus ist Feindlichkeit gegen Juden als Juden (oder weil sie Juden sind).

Obwohl, wie wir sehen werden, diese Definition zu einfach ist, ist sie trotzdem, wie Professor Tony Kushner gesagt hat, „ein nützliches Instrument“.5 Sie hat den Vorzug, den einen Fall gleich auszuklammern, als nämlich Lucy verärgert Rabbi Cohen wegen seines Rauchens aus dem Bus schmeißt, weil Rauchen gesetzlich verboten ist. Selbst wenn Rabbi Cohen betet während er raucht, selbst wenn er eine Kipa auf dem Kopf trägt, das Käppchen, das ihn als Juden identifiziert: egal, seine Situation ist nicht anders als die von Jane Smith, Ahmed Khan oder Bhupinda Singh oder einem der anderen Fahrgäste, die Lucy an diesem Morgen wegen Rauchens aus dem Bus wirft. Sein Vergehen ist, dass er Raucher, nicht dass er Jude ist. Das ist das erste Szenario.

Es wird ein bisschen komplizierter, wenn Lucys Feindlichkeit gegenüber Rabbi Cohen daher rührt, dass er im Oberdeck inbrünstig Zemiros (Hymnen in hebräischer oder aramäischer Sprache, s.auch: Zemirot, ks) singt. Aber ist es deswegen, weil er Zemiros singt oder weil er singt, Punkt, und damit eine mögliche Lärmbelästigung verursacht? Angenommen, er hätte ‘All you need is love’ gesungen, hätte ihn Lucy dann auch aus dem Bus geworfen? Mit anderen Worten, woran ist er schuld: sich selbst zum Ärgernis gemacht zu haben oder Jude zu sein? Wir wollen Lucy in günstigem Licht sehen (in dubio pro reo): Sie ist eine liberale, tolerante, aufgeschlossene Frau, aber sie kann nicht zulassen, dass irgendjemand den Frieden in ihrem Bus stört.

Die Tatsache, das er jüdisch ist, ist für Lucy nicht von Belang, für Rabbi Cohen aber schon: Das ist der Grund, warum er Zemiros singt. Rabbi Cohen ist nicht bloß eine Person, die zufällig jüdisch ist und zufällig singt. Er singt als Jude. Aber sie sieht ihn als Störung. Das ist das zweite Szenario. Mrs Goldstein, die die gesamt Szene aus dem hinteren Teil des Busses beobachtet hat, riecht Antisemitismus. Aber sie liegt falsch.


Aber jetzt lassen wir im Hinblick auf Lucy keinen Zweifel mehr zu. Lassen Sie uns das Gegenteil annehmen: Sie ist illiberal, intolerant, eine engstirnige Fanatikerin. Über was oder wen genau ereifert sie sich? Was weiß sie über ‘Jüdisch sein’? Rabbi Cohen singt auf Hebräisch. Weiß sie, dass es Hebräisch ist? Es könnte jede andere Sprache sein. Sie betrachtet Rabbi Cohen, seine seltsame Erscheinung und seine eigentümliche Art, und sie sieht eine Figur, die sie verschwommen aus der britischen Regenbogenpresse kennt: Ein Asylbewerber oder Flüchtling, der hierher kommt und uns die Jobs wegnimmt, von unseren Steuern lebt und den britischen Lebensstil bedroht. Sie packt die Gelegenheit beim Schopf und weist ihn aus ihrem Bus. Wir können das ein Vorurteil gegen Immigranten nennen. Oder vielleicht Xenophobie: Hass auf Fremde oder ‘Abweichung’. Aber es ist nicht Antisemitismus. Das ist das dritte Szenario.


Aber (viertes Szenario), vielleicht ist Lucys Vorurteil noch spezifischer. Sie lobt sich selbst, keine unwissende Frau zu sein. Ein Blick auf Rabbi Cohens schwarze Kleidung, seinen lang wallenden Bart – und Lucy weiß genau, was er ist: ein Mullah. “Hau ab, Abdul” schreit sie ihm noch in sein Ohr, als sie ihn auf den Gehsteig schubst. Während Rabbi Cohen sich wieder aufrappelt und den Staub abschüttelt, macht er sich ein paar philosophische Gedanken darüber, dass er wohl Opfer der Islamophobie geworden ist. Aber Mrs Goldstein ist überzeugt, dass alle Londoner Busschaffner Juden hassen. Angenommen, Mrs Goldstein hat recht – nicht was Londoner Busschaffner im Allgemeinen betrifft, aber Lucy. Angenommen sie hat durch Lucy hindurch gesehen – und, um die Wahrheit zu sagen, der Grund, warum Lucy Rabbi Cohen aus ihrem Bus wirft, ist, dass sie fanatisch gegen Juden ist. Das ist das fünfte Szenario: Sie weiß, dass er jüdisch ist und hat nur Verachtung oder Hass für ihn übrig, weil er jüdisch ist. Was bedeutet das? Wenn sie weiß, dass er jüdisch ist, was exakt glaubt Lucy zu wissen? Sie ist antisemitisch und verachtet ihn, weil er ein Jude ist. Und was, bitte schön, ist ein Jude?

 

In seinem Essay Die Freiheit der Selbst-Definition, denkt Imre Kertész, der ungarisch-jüdische Schriftsteller, der mehrere Nazi-Konzentrationslager überlebt hat, über jüdische Identität im Lichte seiner Erfahrungen während des Krieges nach. “1944,” schreibt er, “hefteten sie mir einen gelben Stern an, der in einem symbolischen Sinne immer noch da ist; bis heute bin ich nicht in der Lage gewesen, ihn zu entfernen.”

Was sich nicht entfernen ließ ist die Bedeutung des Wortes ‘Jude’, das die Nazis in das Abzeichen hineinlegten. Kertész erinnert sich an einen Satz von Montesquieu: “Zuerst bin ich Mensch, dann Franzose” und kommentiert ihn: “Der Rassist … will, dass ich zuerst Jude bin und dann nie mehr ein menschliches Wesen.” In einer brillanten dialektischen Improvisation, arbeitet er sich durch die Folgen für das Opfer: “Nach einer Weile” schreibt er, “denken wir nicht mehr über uns nach, sondern über jemand anderen.” Weil nämlich das Selbst, über das wir nachdenken, wenn wir in der Gewalt von Rassisten sind, nicht unseres ist: Unter diesen Umständen gehöre ich mir nicht mehr selbst. “In einem rassistischen Umfeld” schließt er, “kann ein Jude nicht menschlich sein, aber er kann auch kein Jude sein. ‘Jude’ ist eine unmissverständliche, eindeutige Bezeichnung nur in den Augen von Antisemiten.”6 Ich verstehe Kertész so: Er sagt, der gelbe Stern sei nicht nur eine Art Ausweis gewesen, mit dem man ihn herauspicken konnte als Jude, sondern eine ganze Identität, in ihn als Jude projiziert.

Mit der Fixierung des Judensterns auf seiner Brust legten sie ihn fest, wurde das Wort ‘Jude’ oder ‘Jüdisch’ definiert, festgelegt, was es bedeutet. Diese Bedeutung oder Identität – diese eindeutige, unmissverständliche Bezeichnung – gehört den Nazis, nicht den Juden, nicht ihm.

Kertész beobachtet, dass “niemand, dessen jüdische Identität primär, vielleicht ausschließlich, auf Auschwitz beruht, Jude genannt werden kann”. Ich denke, er meint, sie können sich selbst nicht Juden nennen – sie können sich selbst nicht als jüdisch definieren – weil man ihnen das Wort entrissen hat. Geblieben ist ein ihnen von anderen aufgedrücktes Zeichen, das an ihnen hängenblieb: ‘Jude’. Tragischerweise scheint es genau so zu sein, wie Kertész seinen eigenen Zustand sieht. Erinnern Sie sich, was er über den gelben Stern gesagt hat, den sie ihm 1944 ansteckten: „bis heute war ich nicht in der Lage ihn zu entfernen“. Es ist, als sei er unfähig, aus sich selbst heraus jüdisch zu sein. Aber (um zum 73er Bus zurückzukommen), Rabbi Cohen, der im Oberdeck mit lauter Stimme Zemiros singt, ist aus sich selbst heraus jüdisch: mit Kertész Worten ‘kann man ihn wirklich einen Juden nennen’. Also, Lucy weiß, dass Rabbi Cohen jüdisch ist. Rabbi Cohen weiß, dass Rabbi Cohen jüdisch ist. Aber wissen sie das Gleiche? Nein, das tun sie nicht, denn er ist nicht der ‘Jude’ – dieses schreckliche Produkt der Phantasie, das Lucy wahrnimmt und verachtet.


Lassen Sie uns zusammenfassen: Wir begannen mit einer Definition von Antisemitismus: Feindlichkeit gegen Juden als Juden. Im Lichte des 73er Busses betrachtet, müssen wir dies wie folgt berichtigen: Feindlichkeit gegen Juden als ‘Juden’. Anführungszeichen um das Wort ‘Juden’ einzufügen mag wie ein Detail erscheinen, aber es verwandelt den Sinn der Definition. Genau erklärt sagt es folgendes: Antisemitismus ist eine Form von Feindlichkeit gegen Juden als Juden, in der Juden wahrgenommen werden als etwas anderes als sie sind. Oder kurz und bündig: Feindlichkeit gegenüber Juden als nicht Jude. (Es scheint, als hätten wir unsere Arbeitsdefinition auf den Kopf gestellt) Denn selbst wenn einige reale Juden in das Stereotyp passen, der ‘Jude’, den der Antisemit ablehnt, ist überhaupt kein realer Jude: die Figur des ‘Juden’ ist ein erstarrtes Abbild, übertragen auf das Bild einer lebendigen Person. Die Tatsache, dass das Abbild gelegentlich zur Realität passt, ändert nichts an seinem Status. Es bleibt ein Bild.

Betrachten wir den Fall von Peter Rachman, dessen Name in England ein Synonym ist für ‘Eigentümer von Elendsquartieren’.7 In den 1950er Jahren herrschte Rachman über ein Reich von Häusern und Grundstücken in der Notting Hill Gegend von West-London und verlangte hohe Mieten von einkommensschwachen Mietern, die sich diese kaum leisten konnten. Rachman war jüdisch. Er war offensichtlich auch raffgierig, skrupellos, zwielichtig und ausbeuterisch, alles Motive aus der Figur des ‘Juden’. Deshalb war er auch ‘jüdisch’. Antisemitismus besteht im Verbergen dieses Unterschieds, also um jüdisch zu sein, muss man ‘jüdisch’ sein. Das Bild hängt sich sozusagen an die Realität: es benutzt die Realität, um sich selbst fälschlicherweise für wahr zu erklären.

‘The rats are underneath the piles. The Jew is underneath the lot /Money in furs.’, (wörtlich etwa: Die Ratten sind unter den Pfählen, der Jude unterhalb aller / Geld im Pelz.), so brachte es T.S. Eliot in ein Gedicht.8 Aber ‘underneath the lot’ ist nicht der reale Jude, der Jude aus Fleisch und Blut; es ist Eliots Jude, die Figur eines ‘Juden’, eine Art Futter, häufig durchgekaut und dann vom Dichter ausgespuckt. Für Eliot ist der Unterschied zwischen wirklichen Juden und seinen Juden ein Unterschied ohne Unterscheidung. Und das ist der Haken: Zu denken, dass Juden wirklich ‘Juden’ sind, ist genau der Kern des Antisemitismus.

Antisemitismus wird nicht durch eine Haltung definiert, sondern durch eine Konzeption: der Antwort auf die Frage ‘Was ist ein Jude?’ Das Wort zu definieren in Begriffen des Verhaltens – Feindlichkeit – eher als über das Objekt – Jude – heißt das Pferd hinter den Wagen zu spannen. Zwar ist Feindlichkeit nicht die einzige Kutsche, die das Pferd hinter sich ziehen kann. Neid und Bewunderung sind ebenfalls Verhaltensweisen gegenüber dem ‘Juden’; das macht uns bewusst, dass Philosemitismus und Antisemitismus sich sehr nahe sein und sehr leicht ineinander übergehen können. Was haben sie gemeinsam? Sie sind sich einig, dass ich, eine jüdische Person, größer bin als das Leben. Sie teilen die Anschauung, dass ich für sie existiere – um eine Rolle in ihrer Weltanschauung (Deutsch im englischen Original, ks) zu spielen – und nicht für mich selbst. Sie schauen mich an, und was sehen sie? Nicht ein Individuum, sondern das Symbol eines Typs, den Repräsentanten einer Gruppe. Sie stimmen überein, dass ich nicht Ich bin. Mit Wilhelm Marr, dem Mann, der 1879 die Antisemiten-Liga in Deutschland gegründet hat, kann man sehen, wie nah sich Philosemitismus und Antisemitismus kommen können. Marr schrieb: “Ich neige meinen Kopf vor Bewunderung und Staunen vor diesem semitischen Volk …” Aber er fährt fort: “… das uns unter Kontrolle hält”.9 In ähnlicher Weise beschreibt er Juden als “flexibel, zäh, intelligent”. Das sind in sich selbst noch keine Begriffe von Geringschätzung oder Verachtung. Ihre antisemitische Neigung wird allerdings dann deutlich, wenn man sie im Kontext liest: “Unter uns gibt es einen anpassungsfähigen, zähen, intelligenten, ausländischen Stamm, der weiß, wie man abstrakte Realität auf vielfältige Weise ins Spiel bringt. Nicht individuelle Juden, sondern der jüdische Geist und das jüdische Bewusstsein haben die Welt überwältigt.”10 ‘Jüdischer Geist’ und ‘Jüdisches Bewusstsein’ war das, was Marr mit Semitismus meinte. Es ist das Hauptelement in der Welt, das er popularisieren half: Antisemitismus.11 Es ist das Pferd, das den Karren zieht.

Wer, also, sind die ‘Juden’, die der Antisemit hasst oder fürchtet oder verachtet – oder beneidet oder sogar bewundert? Was ist diese ‘unmissverständliche, eindeutige Bezeichnung’ des gelben Sterns, die Kertész ‘bis auf den heutigen Tag’ nicht in der Lage ist zu entfernen? Als sie ihm das Zeichen anhefteten und er ein ‘Jude’ wurde, was wurde er da? Nach Sammeln einiger der wichtigen Themen, die damals die antisemitischen Diskussionen bestimmten, können wir dies sagen: Er hörte auf, ein einfacher Sterblicher zu sein und wurde, in gewisser Weise, zeitlos; eine Chiffre des ‘ewigen Juden’, ein Beispiel der ‘jüdischen Gefahr’.12 Hier ist eine kleine Skizze dieser Figur: Der Jude gehört einem sinistren Volk an, abgesondert von allen anderen, nicht bloß wegen seiner Sitten, sondern wegen seines kollektiven Charakters: arrogant und unterwürfig; legalistisch und korrupt; auffällig und verschwiegen. Und immer darauf aus, einen Profit zu machen. Juden sind so skrupellos wie durchtrieben. Loyal nur den eigenen Leuten gegenüber. Wo immer sie sind, bilden sie einen Staat im Staate, berauben die Gesellschaften, in deren Mitte sie leben. Mit ihrer Politik der versteckten Hand kontrollieren sie die Banken, die Märkte und die Medien.13 Und wenn es Revolutionen gibt oder Nationen in den Krieg ziehen, sind es die Juden – die zusammenhalten, mächtig, klug und stur, störrisch, verbissen und hartnäckig – die immer die Fäden ziehen und die Gewinne einstreichen.

Lassen Sie mich den Status dieser kleinen Skizze erläutern und ihren Gebrauch, um Antisemitismus zu definieren. Der Inhalt beruht auf dem antisemitischen Diskurs einer bestimmten Periode: ungefähr vom späten Neunzehnten Jahrhundert bis in die Mitte des Zwanzigsten. Auf der einen Seite ist sie nicht gedacht als eine Definition: Um Antisemit zu sein, muss man nicht notwendig jedes Kästchen ankreuzen, einige Motive habe ich weggelassen; manche sind zu bestimmten Zeiten bedeutender als andere (oder im antisemitischen Diskurs verschiedener Gruppen oder Individuen), und mit der Zeit verändern sie sich auch. Auf der anderen Seite sind diese Motive für die Neuzeit nicht außergewöhnlich; viele tauchen wieder auf, wiederholen sich in den verschiedenen Epochen. Außerdem sind sie beweglich und transportabel: sie sind herausnehmbar, abtrennbar, können sich lösen von einer spezifischen Ideologie; sie können angewendet werden auf Juden, ob Juden als Volk gesehen werden, als Nation, als ethnische Gruppe, als kulturelle Gruppe, als religiöse Gemeinde, eine Klasse, eine Rasse oder was auch immer. Marr sah Juden als eine Rasse: er sah sie in biologischen Begriffen. Aber das Konzept über den Charakter des Juden lässt sich lösen von der rassischen Ideologie. Und er erfand nichts. Er erbte und er übernahm das Erbe; denn, in der einen oder anderen Variation waren die Motive in der Skizze (oder die meisten von ihnen) schon lange Zeit im Umlauf – lange bevor irgendjemand sich die neumodische Theorie der Rasse ausdachte. Der ‘Semit’ des ‘Antisemitismus’ ist der Jude des Judenhasses im modernen Gewand. Es ist dieser Charakter, der Einfluss hat auf das Wort ‘Antisemitismus’. Und obwohl dieser Charakter über die Zeit nicht identisch bleibt, gibt es (um eine Idee von Wittgenstein aufzugreifen und zu adaptieren) ‘family resemblances’, Familien-Ähnlichkeiten zwischen der Figur des ‘Juden’ zu einer bestimmten Periode und der Figur zu einer anderen; sich teils deckende Charaktereigenschaften bringen uns, aus gegebenem Anlass, dazu, das gleiche Wort zu benutzen: ‘Antisemitismus’.14 Meine kleine Skizze der Figur des ‘Juden’ ist also einfach ein Entwurf. Er ist roh, nicht akkurrat und poliert: mehr Kunst als Wissenschaft.

Aber er ist nützlich – und mehr als das. Es ist nützlich, eine Skizze in diese Richtung zu haben, egal wie skizzenhaft sie sein mag, denn ohne sie hängt das Wort ‘Antisemitismus’ mitten in der Luft. Die Motive in der Skizze geben dem Wort den notwendigen Ballast. Man könnte sagen, dass die Form der Konzeption des Antisemitismus – im Grunde die Form der Figur – diese ist: ‘um Jude zu sein, braucht es die Eigenschaften a, b, c …’, als ob diese Eigenschaften das Sein eines Juden konstituierten, die Essenz, was jüdisch zu sein hat. Wenn das die Form ist, dann gibt die kleine Skizze den Inhalt, einen Inhalt, der über die Zeit und von Ort zu Ort variabel bleibt, aber für uns einheitlich genug ist, um an die Figur im Singular denken zu können: der ‘Jude’. Insofern (oder auf diese Weise) macht er die Arbeit des Wortes ‘Antisemitismus’. Ohne das – ohne irgendeine Skizze – wäre das Wort leer. Aber ein Wort, dass beides ist, leer und emotional, ist gefährlich. ‘Antisemitismus’ ist ein emotionales Wort. Seiner Bedeutung entleert, ist das Wort allerdings schlimmer als nutzlos. Weswegen die kleine Skizze mehr als nützlich ist.

Diese Figur ist mehr oder weniger der Charakter, den Lucy im fünften Bild sieht, als sie Rabbi Cohen aus dem 73er Bus wirft. Sie ist, was Kertész wurde, als man ihn – allem beraubt außer dem Erkennungszeichen, dass sie ihm anklebten – zu einem ‘Juden’ in Auschwitz machte. Kurz: Antisemitismus ist der Prozess der Umwandlung von Juden zu ‘Juden’ und taucht auf bei unserer erfundenen Busfahrt in London.


Die Stimme im Raum

An diesem Punkt angekommen, höre ich eine Stimme im Raum. Es ist die Stimme von jemand, der geduldig gewartet hat, bis ich eine Pause mache, um dann seiner Enttäuschung freien Lauf zu lassen. Es klingt ungefähr so: Schön und gut, wie du Unterscheidungen machst auf deiner phantasierten Busfahrt. Aber das hat wenig oder rein gar nichts mit der Komplexität der realen Welt zu tun, in der die Dinge in der Regel verworrener sind; als wäre es möglich, scharf zu trennen zwischen der einen und der anderen Feindlichkeit gegenüber Rabbi Cohen. Aber die Ursachen der Feindlichkeit sind oft vermischt. Darüber hinaus redest du so, als wäre Antisemitismus sofort mit bloßem Auge zu erkennen. Aber häufig ist er verschleiert, versteckt hinter einer Maske, wie der Maske des Anti-Zionismus.15 Du gibst uns ein Modell. Aber ein Modell ist nicht die Wirklichkeit, und die ist es, die uns kümmern sollte. Dein Modell besteht vielleicht im sicheren Hafen der Imagination, im Durcheinander der realen Welt ist es unbrauchbar.

Ein Grund, warum ich die Stimme einführe ist, das sie vermutlich auch für einige andere [...] spricht. Es ist ja nicht nur eine Stimme im Raum, es ist auch eine innere Stimme, eine Stimme in meinem Kopf, die Bedenken anmeldet, die ich selber habe. Allerdings wäre ich heute Abend nicht so weit gekommen – ich hätte noch nicht einmal angefangen – wenn ich nicht dächte, dass ich der Stimme eine Antwort geben könnte. Also erlauben Sie mir, den Fehdehandschuh aufzunehmen und zu antworten.

Gleich zu Beginn: Die Stimme hat ja recht. Die Realität sollte uns beschäftigen, nicht ein Modell. Ein Modell ist nur ein Instrument und nur so gut wie die Arbeit, die es leisten kann. Generell braucht man über Modelle nicht nachzudenken, wenn sie uns nicht helfen, über die Realität nachzudenken. Aber kein Modell ist der Wirklichkeit gewachsen, und mein Busmodell stellt keine Ausnahme dar. Ich hätte, um nur eine Sache zu nennen, mehr als fünf Szenen entwerfen können. Eine andere ist, wie die Stimme im Raum sagt, dass Dinge in der realen Welt für gewöhnlich ziemlich durcheinander sind. Aber hätten wir nicht dieses Kuddelmuddel, bräuchten wir auch kein Modell.

Das Wesentliche eines Modells ist, dass es eine Struktur anbietet: eine Struktur, die wir ins Chaos der Erfahrung einführen. Ob das Busmodell ein gutes Modell ist, steht auf einem anderen Blatt. Es ist sicherlich nicht gut genug, wenn es mit den beiden Fällen, die die Stimme angesprochen hat, nicht fertig wird. Also, lassen Sie uns beide abwechselnd betrachten.


Die Stimme moniert, dass in der realen Welt die Dinge nicht immer so ordentlich liegen wie im 73er Bus mit seinen fünf unterschiedlichen Möglichkeiten. Noch einmal, die Stimme hat recht: die Gründe für die Feindlichkeit sind oft sehr gemischt. Aber logisch betrachtet sind sie, wenn gemischt, im Prinzip verschieden, und wenn wir die Komplexität der realen Welt verstehen wollen, dann müssen wir sie voneinander trennen können. Das Modell ist ein Hilfsmittel, dies zu tun. Eine meiner ersten Forschungsarbeiten zum Thema Antisemitismus, die ich Ende der 1980er Jahre veröffentlichte, ist so ein typisches Beispiel. Ich untersuchte die Kampagne gegen die jüdischen und islamischen Methoden der Tierschlachtung in Großbritannien. Die Kampagne war wie eine Wundertüte: Einiges geschah aus reiner Sorge um die Tiere, einiges war offen antisemitisch und rassistisch und einiges war eine Kombination dieser Faktoren.16 Ich wäre nicht besonders überrascht, wenn all das heutzutage anzutreffen wäre in Polen und anderen Staaten, in denen wieder einmal jüdische und islamische Methoden der Schlachtung Ziel von Protesten sind. Das Gleiche gilt für die Beschneidung. Aber wir sollten keine vorschnellen Schlüsse ziehen. Man muss jeden dieser Fälle prüfen; und, um es noch einmal zu wiederholen, das Busmodell ist gedacht als Instrument, das uns helfen kann, Antisemitismus zu erkennen, wenn er vorliegt, aber auch, wenn er nicht vorhanden ist.[...]


Wenden wir uns […] dem versteckten Antisemitismus zu. Als dieses Thema zur Sprache gebracht wird, bemerkt die Stimme im Raum einen Elefanten: den Anti-Zionismus. Ich möchte eigentlich nicht näher darauf eingehen. Aber im heutigen Europa ist es unmöglich, es vollkommen zu umgehen […] Die Schwierigkeit bei diesem Thema ist, dass es dermaßen politisiert ist. In der öffentlichen Debatte über den israelisch-palästinensischen Konflikt gibt es ein vertrautes, deprimierendes Bild, in dem die Gegner erscheinen als seien sie in einer Umklammerung gefangen, aus der sie nicht entkommen können. Kritiker Israels, die eine gewisse rote Linie überschreiten, werden des Antisemitismus beschuldigt. Sie reagieren, indem sie die Ankläger anklagen und ihnen vorwerfen, dass ihre Anschuldigungen nichts anderes seien Machenschaften der ‘Israel Lobby’. Sofort wird das aufgegriffen als antisemitische Verunglimpfung, was umgekehrt dazu führt, es als zionistisches Geschmiere zu denunzieren. Sie drehen sich umeinander, sinken immer tiefer, geraten in einen verbissenen Kreislauf, der zum Teufelskreis wird. Der politische Streit geht immer weiter und alle haben eine Meinung dazu. Diese Ansichten spalten uns.

Wenn wir die Frage des Antisemitismus ernst nehmen,[…] müssen wir versuchen, ihn aus der politischen Arena herauszuhalten. Und hier kommt uns der 73er Bus zu Hilfe. Das Modell kann viel tun, um mit diesem Fall umzugehen. Genau in solchen Fällen wie diesem, wo blinder Eifer verschleiert wird, erweist sich das Modell als sinnvoll.

Die Thematik führt mich zurück in meine Studentenzeit.1968. Ich war neunzehn Jahre alt, im zweiten Jahr am University College London, wo ich Philosophie studierte. Damals war ein Student ein Vollzeit-Aktivist, der nur zu Vorlesungen ging, wenn es seine Zeit erlaubte. Ich war ein gewissenhafter Student, deshalb habe ich nicht viele Vorlesungen besucht! Ich nahm allerdings teil an einer Konferenz der National Union of Students, wo ich als Vertreter meiner Universität eine Resolution vorschlug, die die sogenannten anti-zionistischen Säuberungen in Polen verurteilte, die in dieser Zeit von der polnischen Regierung durchgeführt wurden. Die Resolution (die angenommen wurde) besagte, dass diese Säuberungen als das missbilligt würden, was sie wirklich waren: versteckter Antisemitismus. Seither weiß ich genau, dass sich Antisemitismus hinter der Maske des Anti-Zionismus verstecken kann, wie die Stimme im Raum es ausdrückte. Aber man bedenke, als eine Sache der Logik, was das heißt. Wenn es als Maske funktionieren kann, bedeutet das, dass Anti-Zionismus als solcher nicht antisemitisch ist: Eine Maske, die identisch ist mit dem, was sie maskiert, ist keine Maske. (Das wäre vergleichbar mit einem Wolf im Wolfskostüm.) Wenn es aber als Maske funktioniert, dann ist die Sache bloßgestellt, wenn die Maske weggerissen wird – als wäre die Maske nie dagewesen. Mit anderen Worten, Antisemitismus ist Antisemitismus, ob nun versteckt als Anti-Zionismus oder etwas anderes – oder eben nicht.

Was ist es aber dann? Was meinen wir, wenn wir in Einzelfällen sagen, dass Anti-Zionismus antisemitisch ist? Angelehnt an das 73er Bus-Modell heißt das: Die Figur des ‘Juden’ wird projiziert auf Israel, weil Israel ein jüdischer Staat ist (oder auf den Zionismus, weil der Zionismus eine jüdische Bewegung ist). Manchmal ist das mit bloßem Auge zu sehen. Beispielsweise im Cartoon, der am 03.04.2002 auf der Titelseite der italienischen Tageszeitung La Stampa erschien. Das war während der zweiten palästinensischen Intifada, als israelische Streitkräfte die Geburtskirche in Bethlehem belagerten. Die Karikatur stellt das Baby Jesus in der Krippe dar. Als es einen israelischen Panzer sieht, fragt der kleine Jesus: „Werden sie mich ein zweites Mal töten?“20

Abgeschöpft werden Assoziationen zur Stadt (Bethlehem) und zum Namens der Kirche (Geburt), […] der Cartoon überträgt die mythische Rolle der Christus-Mörder auf die israelische Armee, weil Israel oder seine Armee jüdisch sind. Hier liegt die Figur des ‘Juden’ an der Oberfläche des Textes.

Aber was ist, wenn wir denken, sie verstecke sich hinter einer Maske? Dann müssen wir zwischen den Zeilen lesen; und wenn wir recht haben, werden wir die Figur entdecken, die im Text impliziert ist. Text oder Subtext, die Figur ist immer noch die Figur des ‘Juden’: Das ist der Punkt. Und es gibt Wege, diese Subtexte ans Licht zu bringen. Angenommen, es gibt eine Gruppe, die sich als pro-palästinensisch versteht, aber – ähnlich wie Mrs Goldstein im Bus – halten wir antisemitische Motive für möglich. Wir könnten uns die Literatur ansehen, die sie produzieren, ihre Geschichte, Mitgliedschaften, ihre politischen Beziehungen usw. Dann sind wir in der Lage, uns ein Urteil zu erlauben, das auf Beweisen beruht. Es gibt aber keinen Algorithmus dafür. Der Nachweis kann unbefriedigend sein. Darüber hinaus können wir falsch liegen. Es mag Platz für Streit geben zwischen Menschen guten Willens, die die Beweisführung unterschiedlich beurteilen, weil einige glauben, der Antisemitismus liege zwischen den Zeilen und andere nicht. Aber das ist eine vernünftige Entwicklung einer Auseinandersetzung, ohne diese verbissene Schärfe, die ich vorher beschrieben habe.

Die entscheidende Sache ist: Projiziert die fragliche Gruppe die Figur des ‘Juden’ (direkt oder indirekt, offen oder anders) auf Israel? Stecken sie sozusagen einen gelben Stern darauf, so wie sie das Zeichen auf Kertész´Brust geheftet haben? Kurz gesagt, verwandeln sie den jüdischen Staat in einen ‘jüdischen’ Staat?

Masken gibt es in allen Formen und Größen, aber für alle gelten dieselbe Logik und dieselben Techniken. Im heutigen Europa, vor allem auf der ganz rechten Seite, lauert der Antisemitismus wahrscheinlich hinter einer Maske, die eher prozionistisch als antizionistisch ist. Nehmen wir die British National Party (BNP). Vor einigen Jahren machte Ruth Smeeth, die damalige Anti-Rassismus-Koordinatorin des Rats der Juden in Großbritannien eine Beobachtung: “Die BNP Website ist jetzt eine der zionistischsten im Netz – in ihrer Unterstützung Israels geht sie weiter als alle bürgerlichen Parteien …”21 Das ist aber noch nicht das Ende des Satzes. Aber lassen Sie mich eine kurze Pause machen und Ihnen erzählen, dass die BNP ein Ableger der National Front ist und weithin als neo-faschistisch angesehen wird. Ihr Führer heißt Nick Griffin, der berühmt-berüchtigt wurde wegen seiner Leugnung des Holocausts. In den 1990er Jahren gab er ein BNP-Magazin namens The Rune heraus, dessen antisemitischer Inhalt zu einer Vorstrafe führte.22 Was war passiert? Der Rest von Smeeths Satz erklärt es: Die BNP Website “verteufelte zur selben Zeit den Islam und dämonisierte die muslimische Welt”.

Juden waren einmal nicht im Visier der BNP, die mit ihren Suchern hin und her schwenkte und nun Muslime aufstöberte. Unterstützung für Israel wurde ein Stock, mit dem Muslime geschlagen werden konnten, und ein Versuch, damit in Israel für Beistand zu werben. Aber es ist nur eine Änderung in der Melodie, nicht ein Sinneswandel, weder des Bewusstseins noch des Herzens. Um Henry Grunwald zu zitieren, der damals Vorstandsvorsitzender im Rat war: “Trotz aller Versuche, sich selbst anders darzustellen, wissen wir doch, das es die gleiche antisemitische, rassistische Partei ist, die sie immer war.”23

Warum wissen wir das? Indem wir Wittgensteins Diktum anwenden: “Überzeugen Sie sich selbst.”24 Wir können wissen, weil wir hinter die Kulissen schauen – hinter die Maske – und inventarisieren, was wir gesehen haben. Wir können wissen, weil wir die Vergangenheit der BNP kennen und die Erfolgsgeschichte ihres Führers, Nick Griffin. Wir prüfen Beweise und sie lassen keinen Zweifel: Hinter der prozionistischen Maske droht ein antisemitisches Gesicht.

Es ist nicht immer so einfach, die Wahrheit über eine Gruppe herauszufinden. Aber wir erkennen sie solange nicht, solange wir nicht fähig sind, das versteckte Gesicht von der Maske, die es verdeckt, zu unterscheiden. Wir müssen wissen, wie wir das Gesicht erkennen und wie wir es von anderen Gesichtern unterscheiden können, Gesichtern, mit denen es verwechselt werden könnte. Das ist die Pointe der fünf Szenarios im 73er Bus. Es ist wahr, die reale Welt ist komplexer als ein Londoner Bus. Aber der Bus ist ein Mikrokosmos: eine kleine, einfachere Version der größeren, unübersichtlicheren Wirklichkeit. Das Modell ist beschränkt und könnte sicher verbessert werden. Aber trotz seiner Begrenztheit hoffe ich, dass uns klarer ist, was wir meinen, wenn wir ‘Antisemitismus’ sagen. Das soll seine Rolle sein, und das ist meine Antwort auf die Stimme im Raum.

Vorhin habe ich eine Anzahl Gründe genannt, warum das Wort ‘Antisemitismus’ bedeutsam ist. Worte sind im Allgemeinen bedeutsam: Das war meine, dem Vortrag zugrundeliegende Prämisse. Vielleicht habe ich wegen meiner Ausbildung einen besonders geschärften Sinn für das Gewicht von Worten. Vom achten bis zum achtzehnten Lebensjahr besuchte ich eine orthodoxe jüdische Schule im Nord-Westen Londons. Man kann nicht den Tanach oder Talmud studieren ohne zu lernen, den Buchstaben, geschweige denn den Worten, Aufmerksamkeit zu schenken.
Seltsam, dass das hebräische Wort [ דברdovor] beides meint: ‘matter - Sache, Materie, Bedeutung haben, zählen’ und ‘word - Wort’ – als machte die Sprache selbst die Pointe: words matter - Worte sind bedeutsam / Worte zählen. Man muss nicht jüdisch sein, um darauf zu kommen. “Im Anfang” sagt der Apostel Johannes am Beginn seines Evangeliums, “war das Wort”. Die Schöpfungsgeschichte beginnt, laut Genesis, mit Worten: Gott spricht und Himmel und Erde entstehen. Und seit es uns Menschen, nach der biblischen Erzählung erschaffen als Ebenbild Gottes (Gen. 1:26), gibt, scheint es so zu sein, als müssten wir aufpassen, was wir sagen, weil auch wir die Welt formen und deformieren können, sie erschaffen oder zerstören, mit unseren Worten. All das kann auch mit einer weltlichen Stimme gesagt werden. Egal mit welcher Stimme, die Sache ist immer dieselbe: Worte sind mehr als Zeichen und Symbole.

Nach einer Bemerkung, die der englische Dichter Byron über Leidenschaft machte, sind Worte das Element, in dem wir leben.25 Deshalb ist die Frage, was wir meinen mit dem, was wir sagen, so zentral. Es scheint vor allem hier und heute wesentlich zu sein für das Wort ‘Antisemitismus’.


Die Punkte verbinden

In meinem Vortrag habe ich die Wichtigkeit unterstrichen, Unterschiede zu machen; deshalb die fünf verschiedenen Szenarien im 73er Bus. Zum Schluss möchte ich auf die andere Seite der Medaille zu sprechen kommen: nämlich die Wichtigkeit, Verbindungen herzustellen. Ich möchte das erklären mit einigen aktuellen Beispielen. Genau vor zwei Wochen, als ich am Abschlusskapitel dieses Vortrags saß, fiel mir eine Überschrift im Guardian in die Augen: ‘Angst und Misstrauen gegen Roma drohen in eine europäische Hexenjagd zu münden’.26 Der Artikel berichtete über die moralische Empörung, die Teile von Europa erfasst hatte, als ein sogenannter ‘blonder Engel’, ein kleines Mädchen mit heller Haut und blauen Augen, einem Paar in Griechenland von der Polizei weggenommen wurde. Weil die beiden Roma oder Zigeuner waren, vermutete man automatisch, dass sie das Kind ‘weißer’ Eltern entführt hätten, eine Vermutung, die sich als falsch herausstellte. Sie hatten das Kind nicht entführt, und die leibliche Mutter war ebenfalls Roma.27 Dann passierte etwas Ähnliches in Irland. Das Londoner Blatt Metro berichtete in seiner Story, die die gesamte Vorderseite füllte, mit der reißerischen Überschrift: ‘Zorn, weil Mädchen Nr. 2 in Zigeuner-Überfall gekidnappt wurde’.28 Das siebenjährige Kind, das ebenfalls blondes Haar und blaue Augen hatte, wurde der Fürsorge übergeben. Nachfolgende DNA-Tests ergaben, dass sie die Tochter ihrer Eltern war, und man musste sie wieder nach Hause zu ihrer Familie bringen. Währenddessen machen die Medien weiter mit ihrer destruktiven Berichterstattung, indem sie die negativen Stereotype über ‘Roma, Zigeuner’ verstärken und lancieren.

Das zweite Beispiel ist der Fall des fünfundzwanzig-jährigen Studenten Pavlo Lapshyn, der aus der Ukraine nach England kam. Innerhalb weniger Tage versuchte er einen „Rassen-Krieg“ auszulösen, erstach Mohammed Saleem, einen zweiundachtzig-jährigen muslimischen Großvater und zündete einige Bomben in der Nähe von Moscheen in den West Midlands, mit dem Ziel Menschen zu verstümmeln oder zu töten. In seinem Prozess letzten Monat bekannte er sich schuldig und sagte, „er hasse alle, die nicht weiß seien“.29 Es ist nicht schwierig, diese Punkte zu verbinden; wenn überhaupt ist es schwierig, sie nicht zu verbinden. Wahr ist, das die Roma oder Zigeuner in der Pogromnacht 1938 nicht das Ziel waren. Aber die Nürnberger Rassengesetze von September 1935 wurden zwei Monate später erweitert, um sie, wie auch Schwarze, einzubeziehen in die Verbote von Heirat und sexuellen Beziehungen mit Menschen „von deutschem oder verwandtem Blut”.30 Ihre Verbindung mit dem Schicksal der Juden unter den Nazis ist in einem Telegramm erfasst, das Adolf Eichmann 1939 von Wien an die Gestapo in Berlin sandte. Er erklärte, wie sie deportiert werden sollten: nämlich als “Waggonladungen voller Zigeuner an jeden Transport” von Juden angehängt.31

Wie die Juden wurden auch die Roma nach Auschwitz und in andere Konzentrationslager transportiert, wo die meisten von ihnen umkamen. Pavlo Lapshyns Angriffe richteten sich gegen Muslime, nicht gegen Juden. Aber seine social media-Seiten beinhalteten sowohl „auf Hitler bezogenes Material“ als auch “fanatisch antisemitisches Material”.32

Es gibt zahllose Punkte mit verschiedenen Namen: Rassismus, Antisemitismus, Xenophobie, Islamophobie, Homophobie, usw. Es gibt auch einen Punkt, der die Dämonisierung eines Individuums aus politischen Gründen beinhaltet: die Arbeit dieser Menschen entstellen, ihre Ansichten falsch darstellen, ihren Charakter verleumden, etwas konstruieren, was sie nicht sind (ich weiß nicht, wie ich diesen Punkt nennen soll, aber ich bin ziemlich sicher, dass er existiert). Jeder Punkt ist ein Punkt für sich, einmalig in seiner spezifischen Art. Jedes Wort, dass einen Punkt benennt, ist bedeutsam in seiner Eigenständigkeit. Aber es ist auch wichtig in einem Lexikon des Fanatismus. Wir müssen jeden einzelnen Punkt hervorheben und in den Fokus stellen. Aber wir müssen uns auch das komplette Bild ansehen, dass entsteht, wenn alle Punkte verbunden sind. Mit anderen Worten (und das ist meine letzte kleine Anmerkung!), Antisemitismus weist über sich hinaus: er weist auf die Myriaden Formen hin, die Fanatismus annehmen kann. Wenn wir ‘Antisemitismus’ sagen, aber die Punkte nicht miteinander verbinden, verstehen wir dann wirklich, was das Wort bedeutet? Und sind unsere Ohren gut genug eingestellt auf das Echo des zerbrochenen Glases?


Brian Klug, St Benet’s Hall, Oxford

Öffentlicher Vortrag gehalten am 08.11.2013 auf der Konferenz: Antisemitism in Europe Today: the Phenomena, the Conflicts. Jüdisches Museum Berlin, 08,/09.11.2013


Anmerkungen

1 International conference on current phenomena of antisemitism in Europe, organised by the Jewish Museum Berlin, the Foundation for Remembrance, Responsibility and Future, and the Centre for Research on Antisemitism, Berlin Institute of Technology, to mark the 75th anniversary of Kristallnacht.

2 For example, Cobi Benatoff in 2004. See ‘EU vows to tackle anti-Semitism’, BBC News, 19 February 2004, available on the BBC website at http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/europe/3502019.stm (viewed 28 September 2013). Benatoff was president of the European Jewish Congress at the time.

3 Ludwig Wittgenstein, Philosophical Investigations, Oxford: Blackwell, 1958, p. 20, par. 43.

4 This portion of the lecture is adapted from my article ‘Interrogating “new antisemitism”’, Ethnic and Racial Studies, vol. 36, no. 3, 2013, pp. 468-482. See also chapter 2, ‘The collective Jew’, in my Being Jewish and Doing Justice: Bringing Argument to Life, London: Vallentine Mitchell, 2011. I also draw on my article ‘The limits of analogy: comparing Islamophobia and antisemitism’, Patterns of Prejudice, forthcoming (2014).

5 Tony Kushner, The Persistence of Prejudice: Antisemitism in British Society During the Second World War, Manchester: Manchester University Press 1989, p.8.

6 Imre Kertész, ‘The Language of Exile’, Guardian, 19 October 2002, available on the Guardian website at

http://www.theguardian.com/books/2002/oct/19/featuresreviews.guardianreview12 (viewed 28 September

2013).

7 ‘Rachmanism’ is a word in the Oxford English Dictionary. His exploits (or exploitations) led to the Rent Act of 1965, which gave tenants security of tenure.

8 T S Eliot, ‘Burbank with a Baedeker: Bleistein with a Cigar’, Selected Poems, London: Faber & Faber, 1954, p. 25. The poem was written in 1920.

9 Wilhelm Marr, Der Sieg des Judenthums ueber das Germanenthum vom nicht confessionellen Standpunkt aus betrachtet (1879), excerpted and translated in Paul Mendes-Flohr and Jehuda Reinharz (eds), The Jew in the Modern World: A Documentary History, Oxford: Oxford University Press, 1995, p. 332.

10 Ibid.

11 Walter Laqueur, The Changing Face of Antisemitism: From Ancient Times to the Present Day, Oxford: Oxford University Press, 2006, p. 21.

12 Der Ewige Jude (The Eternal Jew) was the title of a famous Nazi propaganda film made in 1940, based on a book with the same name published in Germany in 1937. The Jewish Peril was the title under which the Protocols of the Elders of Zion appeared in London in 1920.

13 The Hidden Hand was a periodical published in England by the Britons, a group on the far right, in the 1920s.

14 Wittgenstein, Philosophical Investigations, p. 32, pars. 66-7.

15 I take the phrase ‘the mask of anti-Zionism’ from a letter to the Guardian, 18 October 2004, p. 19. See the second letter under ‘Expats on anti-Americanism’, available on the Guardian website at http://www.theguardian.com/world/2004/oct/18/usa.guardianletters (viewed 2 October 2013).

16 See my ‘Ritual murmur: the undercurrent of protest against religious slaughter of animals in Britain in the 1980s’, Patterns of Prejudice, vol. 23, no. 2, 1989. Revised as chapter 16 in Being Jewish and Doing Justice.

17 Geoffrey Levy, ‘the man who hatred Britaini, Daily Mail, 28 September 2013, available on the Daily Mail website at http://www.dailymail.co.uk/news/article-2435751/Red-Eds-pledge-bring-socialism-homage-Marxist-father-Ralph-Miliband-says-GEOFFREY-LEVY.html (viewed 7 October 2013). The fact that Levy is Jewish complicates the issue. However, as Jonathan Freedland observed in the Guardian, “the most toxic elements were the headline and subsequent editorial” (see next footnote for reference).

18 Jonathan Freedland, ‘Antisemitism doesn’t always come doing a Hitler salute’, Guardian, 5 October 2013, p. 39. See also his comment ‘Was the Daily Mail piece antisemitic?’ in the Jewish Chronicle, 4 October 2013, available on the Jewish Chronicle website at http://www.thejc.com/comment-and-debate/comment/111995/was-daily-mail-piece-antisemitic (viewed 7 October 2013).

19 ‘An evil legacy and hwy we won’t apologise’, Daily Mail, 1 October 2013, available o nthe Daily Mail website at http://www.dailymail.co.uk/debate/article-2439714/Ed-Miliband-evil-legacy-wont-apologise.html (viewed 7 October 2013).

20 EUMC, Manifestations of Antisemitism in the EU 2002-2003, Vienna, 2004, p. 130. 10

21 Matthew Taylor, ‘BNP seeks to bury antisemitism and gain Jewish votes in Islamophobic campaign’, Guardian, 10 April 2008, available on the Guardian website at http://www.theguardian.com/politics/2008/apr/10/thefarright.race (viewed 2 October 2013). Smeeth was the anti-racism campaign coordinator for the Community Security Trust.

22 ‘A right menace: Nick Griffin’, the Independent, 23 May 2009, available on the Independent website at http://www.independent.co.uk/news/people/profiles/a-right-menace-nick-griffin-1689784.html (viewed 2 October 2013).

23 Matthew Taylor, ‘BNP seeks to bury antisemitism’.

24 Wittgenstein, Philosophical Investigations, p. 31, par. 66.

25 “Passion is the element in which we life; and without it we but vegetate” in Marguerite Blessington, Conversations of Lord Byron with the Countess of Blessington [1834], BiblioLife, SC: Charleston, 2009, p. 317.

26 Helena Smith, ‘Fear and distrust of Roma threaten to erupt into a European witch-hunt’. Guardian, 25 October 2013, p. 29.

27 Helena Smith, ‘Greek child trafficking exposed as Maria’s mother found and more couples charged’, Guardian, 26 October, p. 32.

28 Aidan Radnedge, ‘Anger as girl No.2 taken in gipsy raid’, Metro, 23 October 2013, p. 1.

29 Vikram Dodd, ‘Student killed 82-year-old in ‘race war’”, Guardian, 22 October 2013, p. 1.

30 ‘The Nuremberg race laws’, available on the website of the United states Holocaust Memorial Museum at http://www.ushmm.org/outreach/en/article.php?ModuleId=10007695 (viewed 26 October 2013).31 ‘Roma victims of the Holocaust: Roma at Auschwitz’, available on the website of the Jewish Virtual Library at http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/gypsies.html (viewed 26 October 2013), citing Simon Wiesenthal, The Murderers Among Us. NY: Bantam, 1967, pp. 237-8.32 Vikram Dodd, ‘the shy student who turned killer and bomber’, Guardian, 22 October 2013, p. 11.



Dr. Brian Klug, *1948 in London, ist Senior Research Fellow und Tutor in Philosophie an der St. Benet Hall, Oxford und Mitglied der Philosophischen Fakultät an der Universität Oxford. Er ist Ehrenmitglied des Parkes Instituts zur Erforschung der Jüdischen und Nicht-jüdischen Beziehungen, University of Southampton und Fellow des College, St. Xavier University, Chicago.

Er ist Mitherausgeber des Patterns of Prejudice, eines Peer-Review-Journals zur Prüfung der sozialen Ausgrenzung und Stigmatisierung, und Gründungsmitglied des Jüdischen Forums für Gerechtigkeit und Menschenrechte, eine in Großbritannien ansässige Gruppe, die Rassismus und Antisemitismus, den israelisch-palästinensischen Konflikt, Einwanderung und die Behandlung von Asylsuchenden beobachtet und untersucht.

Informationen zu seinem Werk unter: http://en.wikipedia.org/wiki/Brian_Klug


© Originaltext, mit freundlicher Genehmigung von Dr. Brian Klug

© Übersetzung: Katja Schickel

© Fotos: Dr. Brian Klug; Csaba Segesvári; Katja Schickel; dpa; Robert Wilson; Reuters

17XI13



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